Offener Brief an die ARD

Wir als Klimafit-Emmendingen schließen uns mit bald 20.000 anderen Organisationen, Wissenschaftlern und Privatmenschen der Forderung an:


Sehr geehrter Herr Buhrow,

wir wenden uns an Sie in Ihrer Funktion als Vorsitzender der ARD.

Wir, die Vertreter:innen und Unterstützer:innen der Initiative KLIMA° vor acht, fordern Sie auf, eine wissenschaftlich fundierte und verständliche Klimaberichterstattung anzubieten, täglich und zur besten Sendezeit.

Seit gut einem Jahr können wir beobachten, wie schnell die Sender der ARD auf die Pandemie reagieren. Neuigkeiten zur aktuellen Entwicklung finden täglich Platz zur besten Sendezeit, vor und in der Tagesschau sowie in Sondersendungen im Anschluss daran. Damit leistete die ARD einen entscheidenden Beitrag zur Aufklärung der Bevölkerung und somit auch zur Bewältigung dieser Krise. Die ARD handelte hier schnell, angemessen und vorbildlich, denn COVID-19 wurde von Beginn an als Krise begriffen.

Ganz anders stellt sich das im Fall der Klimakrise dar, einer existenziellen Krise für die menschliche Zivilisation. Während wir die Auswirkungen der Erderhitzung immer deutlicher auch in Deutschland spüren, finden Berichterstattung, Einordnung und Aufklärung zu diesem Thema in den Fernsehprogrammen nur unzureichend statt.

Zwar gibt es gute Beiträge zum Thema Klimawandel, etwa im Rahmen der ARD-Themenwoche, doch zu oft auf Sendeplätzen am späten Abend. Dort aber erreichen die Beiträge nur noch verhältnismäßig wenige Zuschauer:innen. Darüber hinaus entscheidet sich wohl nur ein bereits für das Thema sensibilisiertes Publikum, derartige Sendungen zu später Stunde anzusehen. Wertvolle Inhalte werden meist nur online veröffentlicht. Anders als im Falle der Pandemie fehlt eine regelmäßige Berichterstattung zur besten Sendezeit.

Seit 20 Jahren produziert die ARD eine börsentägliche Nachrichtensendung zur Entwicklung an den Finanzmärkten. Eine Sendung, deren Inhalte und Präsentation derart spezifisch sind, dass sie kaum viele Menschen betreffen oder interessieren. Liegt es aber nicht in der Verantwortung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks, umfassend über eine existenzielle Krise aufzuklären, die alle Menschen betrifft?

Ein Format wie KLIMA° vor acht könnte genau das leisten. Dabei ginge es um die Vermittlung von wissenschaftlichen Fakten, Berichterstattung zu aktuellen Entwicklungen sowie Einordnung neuer Erkenntnisse. Ein tägliches Kurzformat könnte Lust auf eine lebenswerte Zukunft machen,
Perspektiven und Lösungsansätze aufzeigen und die Notwendigkeit zum Handeln verdeutlichen.
Wir laden Sie, Herr Buhrow, herzlich zu einem Gespräch darüber ein.

Viele Zuschauer:innen wünschen sich KLIMA° vor acht. Bereits im vergangenen Jahr haben fast 30.000 Menschen eine entsprechende Petition unterzeichnet. Die ARD ließ damals den Petent:innen ausrichten, dass es bereits sehr viele Sendungen zum Thema gebe.

Wir haben nachgezählt: Im Jahre 2020 gab es bei der ARD 128 Sendungen, deren Titel oder Beschreibung den Begriff “Klima” beinhalteten, Wiederholungen nicht mitgezählt. Dem Thema Wirtschaft hingegen widmeten sich fast dreimal so viele, nämlich 365 Sendungen—wobei die 253 Folgen der „Börse vor acht“ noch nicht mit eingerechnet sind. Diese Gewichtung ist nicht angemessen angesichts einer existenziellen Krise, die sich beschleunigt und intensiviert.

Eine Berichterstattung über den Zustand unser aller Lebensgrundlagen ist keinesfalls ein parteiisches Interesse. Ungeachtet des politischen Spektrums sind alle Menschen von eben diesen Lebensgrundlagen gleichermaßen abhängig. Durch eine unzureichende Berichterstattung kann jedoch der Eindruck erweckt werden, die Klimakrise sei gar nicht so dramatisch oder bereits ausreichend unter Kontrolle.

Lieber Herr Buhrow, nehmen Sie eine Vorreiterrolle in der deutschen TV-Landschaft ein: Lassen Sie ein Format wie KLIMA° vor acht entwickeln und umsetzen, und geben Sie ihm einen guten Sendeplatz—zum Beispiel unmittelbar vor der Tagesschau!

Die Vertreter:innen und Unterstützer:innen von KLIMA° vor acht e.V.


Jede Bürgerin und jeder Bürger kann die UnterzeichnerInnen einsehen ist natürlich eingeladen, als Privatperson den Brief unterschreiben:

Erste Beiträge bereits im Kasten

Die Initiative Klima vor Acht hat bereits einige Beiträge produziert:

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